Rebhuhnschutz im Landkreis Tübingen

Kooperationsprojekt zur Rettung eines Charaktervogels der Feldflur


Foto: M. Schäf
Foto: M. Schäf

Das Rebhuhn ist ein Charaktervogel der offenen Feldflur und im Landkreis Tübingen - wie in ganz Mitteleuropa - von sehr hohen Bestandsverlusten betroffen. Den Vögeln fehlen sichere Brutplätze, es gibt zu wenig Nahrung für die Jungenaufzucht und im Winter kaum Schutz auf den Feldern. Das NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen hat ein von PLENUM Tübingen (Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt) gefördertes Kooperationsprojekt im Landkreis für die Jahre 2017-2022 bewilligt bekommen, um Rebhühnern wieder zu mehr geeignetem Lebensraum zu verhelfen. Zusätzliche Unterstützung erhält das Projekt von der Reinhold-Beitlich-Stiftung Tübingen sowie von der Alancri Stiftung und von Spenderinnen und Spendern.


Perspektiven für das Rebhuhn

Fachtagung in Rottenburg am 28./29. November 2019

Gibt es eine Chance für das Rebhuhn? Über diese Frage berieten 180 Fachleute aus Naturschutz, Wissenschaft, Jagd, Landwirtschaft, Verwaltung und Politik in Rottenburg-Ergenzingen. Die Fachtagung „Perspektiven für das Rebhuhn – Status quo, Fördermöglichkeiten und Wege zum Erfolg“ rückte die Zukunft des vom Aussterben bedrohten Feldvogels in den Mittelpunkt. Das Fazit des zweitägigen Austauschs: Ja, eine Zukunft für das Rebhuhn ist möglich. Doch dafür braucht es mehr Lebensräume, mehr finanzielle Förderung für erfolgreiche Schutzvorhaben. Und nicht zuletzt eine bessere Vernetzung der Akteure.

 

Eine kleine Auswahl an Fotos von der Fachtagung und der Exkursion am folgenden Tag


 

Hier können Sie unsere Broschüre downloaden:

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Lebensraum gemeinsam gestalten - Rebhuhnschutz im Landkreis Tübingen
Ergebnisse und Handlungsempfehlungen aus dem Rebhuhnschutzprojekt 2017 - 2019
Ansicht_RebhuhnBrosch_190612.pdf
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Foto: K.Kilchling-Hink
Foto: K.Kilchling-Hink

Landwirte, die sich an unserem Rebhuhnschutzprojekt beteiligen, erhalten auf Wunsch dieses Felderschildchen. Damit können sie ihren Hofladen oder Verkaufsstand auszeichnen, oder auch ihre Maßnahmenflächen auf dem Feld kennzeichnen.


Zur Situation des Rebhuhns

In ganz Deutschland hat sich der Bestand des Rebhuhns seit 1980 etwa halbiert, in einigen Regionen hat er um 90% abgenommen. Für Baden-Württemberg wurden zuletzt nur noch ca. 700 bis 1.500 Paare geschätzt. Der Bestand ist aktuell vom völligen Erlöschen bedroht, da die Tendenz weiter fallend ist. Auch im Landkreis Tübingen sind die Bestände während der letzten Jahrzehnte dramatisch eingebrochen, es gibt aber aktuell noch einen landesweit bedeutenden Restbestand von ca. 45 Paaren. Seit einigen Jahren wurden hier kleinräumig verschiedene Initiativen zum Schutz der Rebhühner ergriffen. Daher kann unser neues, umfangreicheres Projekt auf guten Ansätzen aufbauen. Die erforderlichen Maßnahmen müssen aber auf größerer Fläche umgesetzt werden, um das Rebhuhn im Landkreis zu retten. So können Sie dem Rebhuhn helfen!

 

 

Das Projekt

Das PLENUM Tübingen Projekt "Rebhuhnschutz im Landkreis Tübingen" wurde erfreulicherweise bis ins Jahr 2022 verlängert! So können wir weiterhin dringend erforderliche Maßnahmen zum Schutz des Rebhuhns umsetzen. Zudem wurde im Rahmen des Projekts gemeinsam mit der Ornithologischen Gesellschaft Baden-Württemberg, der Allianz für Niederwild und der Wildforschungsstelle Aulendorf im November 2019 eine Fachtagung veranstaltet, bei der sich Rebhuhnschützer aus dem ganzen Land über das Rebhuhn und notwendige Schutzmaßnahmen austauschen konnten. Die Tagung fand bundesweit große Beachtung und wurde in den Medien ausführlich geschildert.

 

Im Projekt selbst sollen konkret vielfältige Strukturen für das Rebhuhn geschaffen werden, wobei großflächige, lückige Blühbrachen im Sommer und Stoppeläcker im Winter eine entscheidende Rolle spielen. Die Blühbrachen bieten sichere Brutplätze und reichlich Nahrung für die Küken. Bis zum Winter können die Rebhühner in den Brachen Schutz und Nahrung finden und auch zahlreiche andere Vogelarten nutzen diese Flächen. Um dies zu ermöglichen, ist vor allem eine enge Kooperation mit Landwirtinnen und Landwirten erforderlich. Für das Überleben des Rebhuhns verzichten die Landwirtschaftsbetriebe auf einzelnen Flächen auf ihre reguläre Ernte, indem sie die Flächen als Blühbrachen bewirtschaften. Der Landschaftserhaltungsverband/VIELFALT e.V. und das Landratsamt Tübingen vermitteln entsprechende Ausgleichszahlungen des Landes Baden-Württemberg und das NABU-Vogelschutzzentrum stellt den beteiligten Landwirten das Saatgut für die mehrjährigen Blühbrachen kostenfrei zur Verfügung. Als weitere zentrale Maßnahme zur Förderung des Rebhuhns und anderer Vogelarten wird im Projektgebiet eine regelmäßige Heckenpflege realisiert, um niederwüchsige, strukturreiche Hecken zu schaffen. Ferner verbessert die Einsaat artenreicher Gründüngungen in Stoppeläcker die Lebensbedingungen in den Wintermonaten, schützt gleichzeitig den Boden und fördert die Bodenfruchtbarkeit, so dass auch diese Maßnahme zunehmend in der Fläche umgesetzt werden soll.

 

Rebhühner lassen sich sinnvoll nur auf sehr großen, zusammenhängenden Flächen schützen. Mittelfristig sollen daher auch benachbarte Rebhuhnvorkommen in den Landkreisen Böblingen und Calw mit den Vorkommen im Landkreis Tübingen vernetzt werden. Auch dort laufen Projekte zum Schutz des Rebhuhns.

 

Gemeinsam mit VIELFALT e.V., mit dem Landratsamt Tübingen und den benachbarten Landkreisen, mit den Städten und Kommunen, mit der Initiative Artenvielfalt Neckartal IAN, mit Landwirtschaftsbetrieben und dem Kreisbauernverband, mit der Kreisjägervereinigung Tübingen und dortigen Hegegemeinschaften sowie mit dem LJV- und LAZBW-Projekt „Allianz fürs Niederwild“ wird das Projekt auf eine breite Basis gestellt.

 

Das Projekt im Landkreis Tübingen orientiert sich an den sehr erfolgreichen Ansätzen und Methoden des Rebhuhn-Schutzprojekts im Landkreis Göttingen, Niedersachsen, das gemeinsam von der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e.V. und vom Zentrum für Naturschutz der Universität Göttingen durchgeführt wird. mehr