Rebhuhnschutz im Landkreis Tübingen

Kooperationsprojekt zur Rettung eines Charaktervogels der Feldflur


Foto: M. Schäf
Foto: M. Schäf

Das Rebhuhn ist ein Charaktervogel der offenen Feldflur und im Landkreis Tübingen - wie in ganz Mitteleuropa - von sehr hohen Bestandsverlusten betroffen. Den Vögeln fehlen sichere Brutplätze, es gibt zu wenig Nahrung für die Jungenaufzucht und im Winter kaum Schutz auf den Feldern. Das NABU-Vogelschutzzentrum Mössingen hat ein von PLENUM Tübingen (Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt) gefördertes Kooperationsprojekt im Landkreis für die Jahre 2017-2019 bewilligt bekommen, um Rebhühnern wieder zu mehr geeignetem Lebensraum zu verhelfen. Zusätzliche Unterstützung erhält das Projekt von der Reinhold-Beitlich-Stiftung Tübingen sowie von der Alancri Stiftung und von Spenderinnen und Spendern.

In ganz Deutschland hat sich der Bestand des Rebhuhns seit 1980 etwa halbiert, in einigen Regionen hat er um 90% abgenommen. Für Baden-Württemberg wurden zuletzt nur noch ca. 700 bis 1.500 Paare geschätzt. Der Bestand ist aktuell vom völligen Erlöschen bedroht, da die Tendenz weiter fallend ist. Auch im Landkreis Tübingen sind die Bestände während der letzten Jahrzehnte dramatisch eingebrochen, es gibt aber aktuell noch einen landesweit bedeutenden Restbestand von ca. 30 Paaren. Seit einigen Jahren wurden hier kleinräumig verschiedene Initiativen zum Schutz der Rebhühner ergriffen. Daher kann unser neues, umfangreicheres Projekt auf guten Ansätzen aufbauen. Die erforderlichen Maßnahmen müssen aber auf größerer Fläche umgesetzt werden, um das Rebhuhn im Landkreis zu retten.

 

Konkret sollen vielfältige Strukturen geschaffen werden, wobei großflächige, lückige Blühbrachen im Sommer und Stoppeläcker im Winter eine entscheidende Rolle spielen. Die Blühbrachen bieten sichere Brutplätze und reichlich Nahrung für die Küken. Bis zum Winter können die Rebhühner in den Brachen Schutz und Nahrung finden und auch zahlreiche andere Vogelarten nutzen diese Flächen. Um dies zu ermöglichen, ist vor allem eine enge Kooperation mit Landwirtinnen und Landwirten unverzichtbar. Für das Überleben des Rebhuhns verzichten die Landwirtschaftsbetriebe auf einzelnen Flächen auf ihre reguläre Ernte, indem sie die Flächen als Blühbrachen bewirtschaften. Der Landschaftserhaltungsverband/VIELFALT e.V. und das Landratsamt Tübingen vermitteln entsprechende Ausgleichszahlungen des Landes Baden-Württemberg und das NABU-Vogelschutzzentrum stellt den beteiligten Landwirten das Saatgut für die mehrjährigen Blühbrachen kostenfrei zur Verfügung. Als weitere zentrale Maßnahmen zur Förderung des Rebhuhns und anderer Vogelarten soll im Projektgebiet eine regelmäßige Heckenpflege realisiert werden, um niederwüchsige, strukturreiche Hecken zu schaffen. Ferner verbessert die Einsaat artenreicher Gründüngungen in Stoppeläcker die Lebensbedingungen in den Wintermonaten, schützt gleichzeitig den Boden und fördert die Bodenfruchtbarkeit, so dass auch diese Maßnahme zunehmend in der Fläche umgesetzt werden soll.

 

Rebhühner lassen sich sinnvoll nur auf sehr großen, zusammenhängenden Flächen schützen. Mittelfristig sollen daher auch benachbarte Rebhuhnvorkommen in den Landkreisen Böblingen und Calw mit den Vorkommen im Landkreis Tübingen vernetzt werden. Auch dort wurden Projekte zum Schutz des Rebhuhns begonnen.

 

Gemeinsam mit VIELFALT e.V., mit dem Landratsamt Tübingen und den benachbarten Landkreisen, mit den Städten und Kommunen, mit der Initiative Artenvielfalt Neckartal IAN, mit Landwirtschaftsbetrieben und dem Kreisbauernverband, mit der Kreisjägervereinigung Tübingen und dortigen Hegegemeinschaften sowie mit dem LJV- und LAZBW-Projekt „Allianz fürs Niederwild“ wird das Projekt auf eine breite Basis gestellt.

 

Das Projekt im Landkreis Tübingen orientiert sich an den sehr erfolgreichen Ansätzen und Methoden des Rebhuhn-Schutzprojekts im Landkreis Göttingen, Niedersachsen, das gemeinsam von der Biologischen Schutzgemeinschaft Göttingen e.V. und vom Zentrum für Naturschutz der Universität Göttingen durchgeführt wird. mehr